Dienstag - 23. Oktober 2007
Die Bahnspitze langt zu - Hintergründe zum Lokführer-Tarifstreit
Der Berliner Kurier bringt in den Tarifstreit um die Vergütung der Lokführer eine lehrreiche Perspektive ein:
Die Lokführer fordern aktuell 31 Prozent Gehaltserhöhung. Die Bahn lehnt das ab, weil das zu teuer sei.
ABER: Die Führungsspitze der Bahn hat ihre Bezüge allein im vergangenen Jahr um 77 Prozent (!) erhöht.
Ich kommentiere das nicht. Das ist hier wirklich nicht erforderlich. Sparen ist immer gut, wenn es andere tun...
Ein mahnendes Wort aber noch, falls Sie spontan zustimmen:
Jetzt wirds nämlich persönlich. Vielleicht halten Sie den Streik grundsätzlich für berechtigt. Und Lokführer - wie überhaupt das Bahnpersonal in Zügen (einerlei, ob noch bei der Bahn oder bei einem Sub beschäftigt) - haben keine schönen Arbeitsbedingungen. Liege ich mit meiner Einschätzung richtig?
Gut. Wie sieht es aber aus, wenn Sie auf dem Hauptbahnhof in Köln stehen und zu einem Termin mit der Bahn anreisen wollen. Sie kommen gut gelaunt auf den Bahnhof. Es ist herbstlich frisch. Sie sind - noch - gut gelaunt. Auf dem Bahnhof sind viele Menschen. Mensch, denken Sie sich, dass so viele Menschen mit der Bahn fahren, wusste ich überhaupt nicht. Dann wird Ihnen die Situation bewusst: Hier sind so viele Menschen, weil keine Züge fahren. Die Lokführer streiken nämlich. Wie sieht es dann mit Ihrer inneren Solidarität aus? Wieder so ein Lackmustest. Prüfen Sie sich einmal innerlich zu dieser Frage. Sie erinnern sich bitte an den Wert der Authentizität. Es ist eine Sache, innerlich gegen den Abbau von Arbeitgeberleitstungen zu sein. Das ist löblich. Es ist eine andere Sache, auf dem Bahnsteig zu warten und zu diskutieren. Den anderen Wartenden zu erklären, warum die Wartezeit erforderlich ist, um solidarisch mit den Arbeitnehmern bei der Bahn zu sein. Es ist eine andere Sache, selbst auf die Strasse zu gehen und zu demonstrieren. Selbst Flagge zu zeigen. Das ist dann nicht nur löblich. Das ist dann konsequent und authentisch.
Autor: Henning Wüst
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