Warum Manager immer weniger an die Arbeitnehmereinkommen denken


Nein, das ist kein ideologisches Thema. Führungskräfte haben haben immer weiter zunehmend grössere variable Vergütungsanteile. Diese sind in aller Regel unmittelbar an die Erfüllung von Unternehmenskennzahlen, d.h. das Betriebsergebnis, und nicht mehr an die individuelle, persönliche Leistung gekoppelt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil die Erfassung der individuellen Leistung im Regelfall sehr schwer und mit grossem Aufwand verbunden ist. Bei vielen Positionen ist die Messung der individuellen Leistung schlicht unmöglich (was Vergütungsberater gerne unterschlagen und was beim Design von Vergütungssystemen immer wieder zu praktisch unüberbrückbaren Problemen führt).

Indes geschieht hier ein Systembruch: Arbeitnehmer werden (-> § 611 BGB) für die "Leistung von Diensten" und nicht für die "Herbeiführung eines Erfolges" (-> § 631 BGB) bezahlt.

Arbeitsrechtlich steckt das seit geraumer Zeit erkannte Problem der Verschiebung des Wirtschaftlichkeitsrisikos auf den Arbeitnehmer dahinter. Das Wirtschaftlichkeitsrisiko trägt ja per se der Arbeitgeber (weil Grundtypus Dienstvertrag und eben nicht Werkvertrag). Wird das Wirtschaftlichkeitsrisiko nun - unzulässigerweise - immer mehr auf den Arbeitnehmer verlagert, führt das zu unguten Konsequenzen.

Zurück zum Thema: Manager, die - über die erfolgsabhängigen Vergütungsanteile - einen hohen Anteil am Wirtschaftlichkeitsrisiko tragen, ändern ihre Einstellung und sind logischerweise nicht mehr an den Arbeitnehmereinkommen der ihnen anvertrauten Mitarbeiter, sondern nur noch an der Erreichung der Kennzahlen erreicht. Und in diesem Blickwinkel sind Mitarbeiter nur noch "unerwünschte Kostenfaktoren". Voilà.

Weiteres dazu mit einer grafischen Aufarbeitung hier im Informationsportal Globalisierung.

Gepostet am Samstag - 12. Mai 2007, 22:45
       
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